| Virtuelle Welten sind heutzutage noch immer so genannte "Walled Gardens". Ihre 3D-Landschaften sind ähnlich abgegrenzt, wie früher die Angebote von AOL, Compuserve oder T-Online, die einst die Prä-Internet-Ära untereinander aufteilten. Eine über 20 Firmen starke Gruppe, an der wichtige Mitspieler wie IBM, Linden Lab (Second Life), Multiverse oder Forterra Systems teilnehmen, hat nun damit begonnen, Gespräche über eine bessere Vernetzung der heute verfügbaren virtuellen Welten zu führen. Das Ziel ist ein 3D-Internet, das auf gemeinsamen Standards aufbaut. Obwohl es bis dahin noch zahlreiche Fragen zu lösen gibt, ist eine Grundvoraussetzung eines solchen 3D-Internet doch glasklar: Die Nutzer müssen sich frei von einer Welt zur nächsten bewegen können, ähnlich wie man dies heute zwischen Websites tut. "Wir sehen dies als nächsten logischen Schritt beim Wachstum des Internet an sich an", meint Michael Rowe, 3D-Internet-Manager und "Intraverse"-Leiter bei IBM, wo man bereits eine eigene, interne virtuelle Welt aufsetzt. Rowe hält die aktuelle "Walled Garden"-Situation für einen Hemmschuh bei der Fortentwicklung des Netzes, weil es äußerst schwierig sei, virtuelle Güter und Dienstleistungen an mehr als einem Ort anzubieten. Wer beispielsweise einen virtuellen Laden in verschiedenen virtuellen Welten aufbauen möchte, muss diesen separat für jede Welt gestalten und aufbauen - mit jeweils völlig unterschiedlichen Prozessen. Standards in einem 3D-Internet würden es dem virtuellen Unternehmer erlauben, seinen Kunden einen Link mitzuteilen, über den sie ihn in jeder virtuellen Welt erreichen können - ähnlich wie einen Web-Nutzer die Domain Amazon.com immer zu dem E-Commerce-Riesen führt. Um die Nutzererfahrung in virtuellen Welten so reichhaltig wie möglich zu gestalten, müssen die Entwickler Rowe zufolge einen Weg finden, Objekte überall gleichförmig rendern zu können, egal in welcher virtuellen Welt - dazu gehört auch der Avatar des Nutzers, der ihn im 3D-Internet repräsentiert. Wer sich beispielsweise in der virtuellen Version der MTV-Sendung "Pimp My Ride" ein eigenes Fahrzeug gebaut hat, sollte es auch in der Linden Lab-Welt "Second Life" vorführen können. Damit das funktioniert, muss der darunter liegende Code in beiden Welten arbeiten. Mit 3D-Internet-Standards ließen sich diese Probleme lösen und Grenzen niederreißen, meint Rowe. |